Donnerstag 5. November 2009, 11:22 Uhr --
Eine sanft gepfiffene Melodie, die Gitarre, dann jene Männerstimme: "I follow the Moskva, down to Gorki Park. Listening to the wind of change...". Kaum jemand brachte die Emotionen rund um das Ende des Kalten Krieges so auf den Punkt wie die Scorpions mit ihrer Rockballade "Wind of Change". Das Lied prägte eine ganze Generation und gilt 20 Jahre später als eine Art Soundtrack des Mauerfalls.
Entstanden war der Welthit aber schon vorher, nämlich im August 1989 in Moskau. Mit Gänsehaut denken die Hannoveraner Rocker heute an jene Tage zurück. Die Band war damals für ein Rockfestival mit 260.000 Zuschauern in die sowjetische Hauptstadt gereist. Sänger Klaus Meine sieht vor seinem inneren Auge noch die Soldaten der Sowjetarmee vor sich, die damals bei dem Konzert im Olympiastadion als Sicherheitspersonal eingesetzt worden waren. Erst hätten sie der Bühne den Rücken zugedreht, erzählt der Sänger in einem AFP-Interview. Doch dann hätten sie sich umgedreht und ihre Mützen in die Luft geworfen.
Bei dem Konzert am 12. und 13. August habe der Wandel förmlich in der Luft gelegen, berichtet der inzwischen 61-jährige Sänger und Komponist, der seinen Markenzeichen - ledernen Hosen und Mütze - treu geblieben ist. "Viele junge Leute, gerade die junge Generation, haben uns gesagt, die Zeiten des Kalten Krieges werden bald vorbei sein. Das war eine unglaubliche Stimmung." Dann, auf dem Weg nach Hause, habe er den Hauch der Geschichte förmlich spüren können. "Ich hatte das Gefühl, wir waren Zeuge, wie sich die Welt vor unseren Augen verändert", sagt Meine, dessen Band nie in der DDR hatte spielen dürfen.
Wie richtig sie mit ihrer Vorahnung lagen, begriffen die Scorpions kurze Zeit später bei einem Auftritt in einer bekannten Pariser Diskothek. Meine habe über seine Schulter hinweg einen Blick auf einen Fernseher über der Bar geworfen, erinnert sich Gitarrist Rudolf Schenker an den Mauerfall. Dann habe er ihm so etwas zugerufen wie: "Hey, schau mal, ist das nicht die Mauer? Da sind Menschen auf der Mauer!".
Der Song über den "Wind des Wandels" erschien dann allerdings erst 1990 auf dem Album "Crazy World". Prompt entwickelte sich das Stück zur globalen Mauerfall-Hymne - und zwar längst nicht nur in Deutschland. Kein anderer Song ging 1991 so häufig über die Ladentische in aller Welt. "Man ist auf den Champs-Elysées einkaufen gegangen, und aus jedem Store (5711.KL - Nachrichten) spielte 'Wind of Change'. Es war unglaublich", erinnert sich Meine. Inzwischen wurde die Rockballade weltweit über 14 Millionen Mal verkauft.
Ihren Status als Mauerfall-Band festigten die Scorpions endgültig im Jahr 1999 bei den Feierlichkeiten zum zehnten Jahrestag des Mauerfalls. Damals spielten sie "Wind of Change" gemeinsam mit 160 Cellisten aus aller Welt vor dem Brandenburger Tor, dirigiert von der russischen Cello-Legende Mstislaw Rostropowitsch.
Ihren Erfolg mit "Wind of Change" konnte die Band in den folgenden Jahren zwar nicht mehr wiederholen. Doch noch immer füllen die Scorpions bei ihren Live-Auftritten die Hallen. Wohl auch wegen der Gänsehaut, die die Melodie des Mauerfalls verspricht.
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