Samstag 21. November 2009, 15:37 Uhr --
Frankfurt/Main (dpa) - Aus den Boxen groovt «Don't Stop 'til You Get Enough» - Pink begann mit einer Hommage an den toten Michael Jackson. Und obwohl sie selbst da noch nicht einmal zu sehen und die gigantische Bühne mit einem gebatikten ockerfarbenen Vorhang verhüllt war, konnten die Anhänger schon jetzt nicht mehr anders als zappeln und ihrer Tanzwut nachgeben. Die ehrwürdige Festhalle in Frankfurt, mit 13 500 Besuchern restlos ausverkauft und unendlich stickig, verwandelte sich am Freitagabend wahrlich zu einem «Funhouse». Das war der Plan: So heißt Pinks fünftes Studio-Album und die Welt-Tournee gleich mit. Mit der ist sie nun - wegen der Riesen-Ticketnachfrage - noch einmal für elf Herbst-Konzerte zurück nach Deutschland gekommen. «Seid ihr bereit, mit mir eine tolle Zeit zu haben?», grölte die US-Popsängerin mit ihrer versoffen-rauchigen, aber zugleich zarten Stimme ins Mikro. An einer Trapez-Konstruktion schwebte die 30-Jährige über der aufwendig gestalteten Bühne mit den Treppen und Rutschen - sie trug Glanz-Leggins, einen pompösen langen Feder-Schweif und High-Heels - alles in rot. Das Haar: burschikos kurz und weiß-blond. Vielleicht auch als Persiflage auf die «Circus»-Tour von Britney Spears, ihr einstiges Läster-Objekt, sorgte Pink für Zirkusmanegen-Flair in der Festhalle. Zeitweise wirbelten ihre Tänzer als schwarz-weiße Harlekins über die Bühne. Aufgepustete, gruselige Riesen-Clowns wackelten im Bühnenhintergrund, dazu erklang Pinks dreckige Lache. Sie hatte einen gelben, poppigen Zirkusdirektor-Mantel an. Akrobaten schwangen am Trapez und das ernergiegeladene, muskulöse Sport-Ass selbst drehte an einem Band unter der Kuppel Pirouetten. In atemberaubendem Tempo. Jugendfrei war die zweistündige Show nicht: An einer Stelle räkelte sich Pink, die Männer wie Frauen gleichzeitig anmachte, in schwarzer Reizwäsche auf einer roten Couch. Wie einst Madonna in ihrem «Erotica»-Video. Dabei griffen Hände von unten durch die löchrige Couch. Sie betatschten Pink. Immer wieder im Laufe des Abends fasste sie sich selbst an die Brust. Oder in den Schritt. Ganz im «Amazonen-Look» trug sie ein Oberteil, das eine Brust freiließ. Die Brustwarze war nur mit einem pinken Herz abgeklebt. Den «heißesten Leuten auf dem Planeten», wie Pink die Frankfurter Menge nannte, verriet sie: «Weinen ist eines meiner liebsten Hobbys.» Als ein Mädchen in der ersten Reihe kollabierte, schrie sie: «Wir verlieren wieder jemanden! Kann man mal Wasser oder Bier verteilen?» Die meisten Songs - Pink brachte sie alle, von «Get The Party Started» über «Trouble» bis zu «Please Don't Leave Me» - klangen sehr nach Playback. Ein musikalisches Highlight war die Show nicht, aber großes Entertainment. Etwa als sich die Tänzerinnen und Pink zu «So What» auf einem Bett eine Kissenschlacht mit einem Carey-Hart-Double lieferten. Mit dem Song hatte sie nach der Trennung von ihrem Ehemann, dem Rennfahrer Hart, abgerechnet. Beide sind längst wieder zusammen.
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